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Mitgliederversammlung 2026

Ein Text von Thomas Busch, 1. Vorsitzender

Die Mitgliederversammlung war ein voller Erfolg.

Hm…

In gewisser Weise. Menschlich, informativ, emotional, lustig, interessant, ehrlich, fesselnd und nah. Wir lieben diesen Austausch mit den Menschen, die unseren Auftrag unterstützen und sagen allen Anwesenden ein aufrichtiges Dankeschön für ein großartiges Wochenende.

Die Mitgliederversammlung offenbarte aber in dem Vortrag „Finanzen“ bzw. „Bericht der Kassenwartin“ eine Lücke, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen könnte. Euro 260.000,- minus. Also mehr ausgegeben, als wir eingenommen haben. Na, das ist mal ne Hausnummer!

Aber keine Sorge, noch ist alles unter Kontrolle. Noch. Bedingt durch die Erbschaft vor einigen Jahren, war es für unserem Vorstand eine Ehre, das Geld in möglichst viel Kastrationsprogramme fließen zu lassen. Und wer macht Kastrationsprogramme? Richtig, Tierärzte. Somit suchten und fanden wir neue Kollegen, wir bildeten sie aus und banden sie an unseren Verein. Ein Chirurg braucht eine Assistenz zur Vorbereitung, damit das Fließband der Operationen nicht ins Stocken gerät. Wir suchten und fanden Assistenten, bildeten sie aus und banden sie an uns.

Die Idee einer Praxis in Rethymno, in der rund um die Uhr eine Kollegin vor Ort zur Verfügung steht, bekamen wir sozusagen in den Schoss gelegt. Wir suchten nicht, wir fanden sie aber trotzdem und banden sie an uns.

Dieses unsichtbare Band, an dem sich unser Personal festknoten lässt, wird in der Einnahmen-Ausgaben Bilanz schmerzhaft sichtbar. Aber nicht nur da, sondern am Ende in einer anderen Zahl, die die wichtigste unseres Vereines ist. 10.532 Operationen in den ersten viereinhalb Monaten von 2026. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 22.000.

Und somit kleben an diesem Band natürlich auch die Verbrauchsmaterialien, die Flugkosten, die Autos mit ihren gigantischen Benzinquittungen und, und, und…

An dem Versprechen, eine Erbschaft und jeden einzelnen Cent den wir erhalten, in nachhaltigen Tierschutz (Kastrationen) zu investieren, möchten und werden wir nichts ändern, hofften aber insgeheim, dass Geld übrigbleiben würde, um unsere Station, das New Life Resort, zu kaufen, um endlich einen Platz für die Pflege der schwerkranken Tiere zu haben, von dem wir nie wieder vertrieben werden können.

Dieser Wunsch ist in weite Ferne gerückt. Wie es weitergeht, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Nun könnten wir eine Bank ausrauben oder einen Geldtransporter überfallen. Über den Enkeltrick könnten wir nachdenken oder Lotto spielen. Die Vermittlung von mehr Tieren, vornehmlich Welpen soll auch lukrativ sein. Also mehr Export als Kastrationen vor Ort.

Oder wir sparen Geld, in dem wir verletzte Tiere unverzüglich einschläfern, anstatt sie teuren Operationen zu unterziehen. Aber wollen wir das?

All das werden wir nicht tun!!! Wir werden gar nichts ändern, sondern genau mit dem weitermachen, für das wir vor vielen Jahren angetreten sind. Wir werden weiterhin alles geben und operieren, bis unsere Finger bluten. Wir werden niemals weggucken, die Bequemlichkeit suchen und so tun, als ginge uns das alles nichts an.

Wir werden uns allerhöchstens an Sie wenden und Ihnen erzählen, dass die Mitgliederversammlung ein voller Erfolg war. Dass Sie unsere Idee des nachhaltigen Tierschutzes vielleicht weitertragen, an Freunde, Bekannte, Nachbarn. Nur mit einer größeren Reichweite können wir das kompensieren, für was wir in Vorkasse gegangen sind.

Und den Bericht über unsere Finanzen werden wir einfach vergessen. Zumindest bis zum nächsten Jahr.

Ihr Thomas Busch