Bindi - eine Straßenhündin aus Veria

Von der Straße direkt in's Herz

Ein Bericht von Ronja Roll

Bei jeder Kastrationsaktion gibt es mindestens ein Tier, das etwas in einem auslöst und welches einen ganz besonders berührt. In der diesjährigen Kastrationsaktion in Veria, Griechenland im Mai 2021 wurde uns eine kleine Fellnase gebracht, bei deren Anblick einem der Atem stockte. Die Hündin war sehr klein, hatte schlechtes Fell, lange Krallen und war deutlich unterernährt. Aus einem Auge lief Blut, beide Ohren waren verkrustet und an ihren Hinterläufen hatte sie zwei tiefe Wunden. Doch das Schlimmste war ihre Körpersprache. Der Schwanz war so weit eingezogen, dass man ihn nicht mehr sehen konnte. Sie krümmte sich vor Angst und versuchte sich in ihrer Box zu verkriechen. Aus den Augen erkannte man die reine Angst und Panik. Was hat dieses kleine unschuldige Wesen nur erlebt?
 
Sie ist in einem so schlechten Zustand, dass eine Kastration nicht möglich ist. Wir nehmen sie natürlich dennoch auf und überprüfen ihre Blutwerte. Zu ihrem schlechten Gesundheitszustand kommt auch noch die Diagnose Leishmaniose. Leishmaniose ist eine Infektionserkrankung, die durch den Stich einer Sandmücke übertragen werden kann. Unbehandelt kann eine solche Erkrankung für einen Hund lebensgefährlich werden. Uns ist sofort klar, dass diese Hündin nicht mehr auf die Straße zurück kann und wir setzen uns zum Ziel sie aufzupäppeln und transportfähig zu machen. Zu den täglichen Aufgaben gehört die lokale Behandlung des Auges mit Augentropfen als auch die Wunddesinfektion der Ohren. Zudem erfolgt auch die Behandlung der offenen Wunden an den Hinterläufen mit regelmäßigen Verbandswechseln. Natürlich wird sie nebenbei auch ordentlich von uns aufgepäppelt und mit Leckerlis verwöhnt.
 
Anfänglich zieht sie sich sofort zusammen, sobald man die Box öffnet. Sie verkriecht sich in die hinterste Ecke und hofft inständig, dass man sie in Ruhe lässt. Das Gassi gehen ist eine Herausforderung für sich. In den ersten beiden Tagen bewegt sie sich nicht vom Fleck. Legt sich auf den Boden und krümmt sich zu einer Murmel. Am dritten Tag fängt sie an vorsichtig an der Leine zu laufen aber in der ständigen Angst man könnte sie treten oder ihr die Leine an die Seite schlagen. Läuft man etwas zu schnell oder bückt sich zu ihr runter, so legt sie sich sofort hin und krümmt sich zusammen. Auch ihr Geschäft traut sie sich nur in ihrer sicheren Box zu machen. Das Herz blutet einem bei diesem Anblick. Wird sie wohl jemals wieder Vertrauen zu den Menschen bekommen? Gerade diese Frage spornt uns an. Neben den mehrmals täglichen Behandlungen versuchen wir dreimal am Tag mit ihr zu laufen. Wir versuchen diesem unschuldigen Wesen so viel Liebe wie möglich zu schenken um ihr so das Vertrauen zu einem Menschen zurück zu geben.
 
Bei solchen geschundenen Seelen ist es bemerkenswert wie groß doch der Lebenswille ist. Auch hat man bei dieser besonderen Fellnase schnell erkannt, dass sie sich eigentlich sehr nach einer lieben Hand oder einer Streicheleinheit sehnt. Diese Hunde benötigen viel Zeit um das Vertrauen zurück zu gewinnen. So war es auch bei Bindy- wie wir sie liebevoll getauft haben. Mit den Tagen wächst langsam ihr Vertrauen. Auch die Behandlungen lässt sie nun leichter machen. Sie scheint zu merken, dass sie nun in Sicherheit ist und wir ihr alle nichts Böses wollen. Einer der schönsten Momente war der, als sie angefangen hat, ganz leicht mit ihrem Schwanz zu wedeln, sobald man sie angesprochen und die Box geöffnet hat.
 
Bindy hat noch einen schweren Weg vor sich und wird bestimmt ihr Leben lang mit diesen Ängsten leben müssen, doch durch die richtige Familie und ganz viel Liebe kann man dieser geschundenen Seele ein wunderschönes Leben ermöglichen. Sie wird es einem doppelt danken.
 
PS: Bindy kam nach Ende der Kastrationsaktion mit nach Deutschland auf eine Pflegestelle. Hier wird sie nun weiter aufgepäppelt und tiermedizinisch behandelt bis die Suche nach ihrem neuen zuhause beginnt.

Ihre Ronja Rolle