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Achtsamkeit

Ein Bericht von Thomas Busch, 1. Vorsitzender und Tierarzt

Sie können diesen Text lesen – seien Sie froh.
Nicht nur, weil Sie lesen können, nein, weil Sie ihn vor sich sehen. Weil ihre Pupille das Licht einfangen kann, die Linse das Bild bündelt und auf die Netzhaut projiziert. Diese wandelt mit ihren Zapfen und Stäbchen das Licht in elektrische Signale um und leitet sie über den Sehnerv zum Gehirn. Dort einsteht das Bild, welches wir täglich millionenfach und als selbstverständlich wahrnehmen. Dieses hochkomplexe System erkennt diesen Text, eine Landschaft, das Essen, ihren Lebenspartner…
 
Beim Katzenschnupfen greifen Herpesviren oder Caliciviren die Schleimhäute der Atemwege und der Augen an. Sie dringen, wie Viren es halt machen, in die Zellen ein und zerstören sie. Entzündungen im Rachenraum, der Nase und der Augen sind das traurige Ergebnis.  
 
Man kann dagegen impfen.
 
Straßenkatzen sind in der Regel nicht geimpft, ihre Welpen schon gar nicht. Schutzlos haben sie dem Kampf nicht viel entgegenzusetzen. Es kommt zu Nasenausfluss, verklebten Augen, Fieber. Appetitlosigkeit und Schmerzen lassen sie zu abgemagerten, unansehnlichen kleinen Gespenstern werden, die einen entsetzlichen Todeskampf ertragen müssen.  
 
Die acht Welpen aus Chania hätten sich mit diesem Trauerspiel abfinden müssen. Aber: Touristen SAHEN sie, fingen sie ein und brachten sie zu unserer Tierärztin Ema ins NLP (New Life Practice). Einschläfern? Bei Ema? Das vergessen Sie mal. Die Räder begannen sich zu drehen. Ema nahm den Kampf als erste auf und reichte die Zwerge nach einer anfänglichen Rundumbehandlung ins NLR (New Life Resort) weiter. Christina Schomann richtete eines unserer Außengehege her und wurde in Sekundenschnelle achtfache Mutter. Dass die Blindlinge damit gerettet waren, muss hier nicht mehr explizit erwähnt werden, jedoch ist die Rettung der Augen selbst für die besten Tierärzte der Welt nicht mehr möglich. Die Viren und die Bakterien zerstörten viele der 16 Augen. Ein Bild des Grauens, denn die Augäpfel schwellen an, hängen aus der Augenhöhle heraus und vereitern. An eine OP ist bei diesen geschwächten Winzlingen im jetzigen Zustand nicht zu denken. Also gibt Christina alles und päppelt und päppelt und päppelt und merkt dabei gar nicht, dass sie sich immer mehr verliebt. Das kann sie auch gar nicht merken, denn es ist ihr angeborener Automatismus. Ein sogenannter Katzenverliebtoismus mit hoher Ansteckungsgefahr, denn er befällt jeden, der in das Gehege schaut und SEHEN kann.
 
Die Acht wären zu handhaben gewesen, allerdings riefen von der anderen Seite von Kreta Touristen an. Raten Sie, was die gefunden hatten? Und so kam der zweite Karton zu Ema. Die Rundumversorgung lief an, der Katzenverliebtoismus infizierte Ema und ihre beiden Kinder erneut und natürlich auch Christina und acht und sechs macht 14.  
 
Ich bin geimpft. Gegen KVT (Katzenverliebtoismus, Sie verstehen!) Die Impfung wirkt aber nur, wenn der Entzündungsherd 2500 km weit entfernt ist. Hätte ich in den Freilauf geguckt, hätte es mich auch erwischt. So aber schimpfe ich, denn unsere Tierärzte und Assistenten sollen Kastrieren, damit wir irgendwann diese Anrufe von Touristen nicht mehr bekommen. Ich rege mich entsetzlich auf, schäume und tobe vor Wut und lasse mich nur beruhigen, wenn Sie, die SEHEN und LESEN können, helfen. Dann würde ich heimlich schmunzeln, mich freuen, dass 14 hilflose Wesen eine wahrhaftige Chance erhielten und ich einen Text hinbekommen habe, der … merken Sie es, sie haben KVT!
 
Sie werden diese Krankheit nur los, indem sie einen unserer Blindlinge (ein paar Augen konnten wir retten) adoptieren, den Text an Ihre Freunde und Bekannte weiterleiten oder sich als Pflegestelle zur Verfügung stellen. Sie dürfen auch was spenden, denn mit Handauflegen, kriegen wie die zerstörten Augen nicht herausoperiert.
 
Und als Tierarzt rate ich Ihnen, niemals mehr in eines unserer Katzengehege zu schauen, KVT lauert überall.

Thomas Busch