Gabriel - Verstärkung in Rumänien

Ein Bericht von Gabriel Toma, Assistent

Ich bin der Neue. Der, der lernen muss, mit den anderen Schritt zu halten.
Im Sommer 2019 lernte ich während einer Kastrationsaktion Nina kennen. Ich war ein freiwilliger Helfer unseres örtlichen Tierheims und Nina war die operierende Tierärztin des Förderverein Arche Noah Kreta e.V..
Sie kam immer am Morgen, verschwand im OP und den ganzen Tag lang war ein Kommen und Gehen von Tieren. Und Nina erschien nicht mehr bis zum Ende des Tages.

Ich fragte mich, wie schafft sie das, so viele Stunden lang? Das frage ich mich heute immer noch, da ich seit etwas mehr als einem Jahr ihr Assistent bin. Wie kann sie sich so viele Stunden und Tage diesen oft tragischen Schicksalen stellen?
Und wie kann jemand immer noch bei der Behandlung eines kleinen Tieres sein Bestes geben, im Bewusstsein, dass noch so viele mehr da draußen sind? Sie sagt zu mir, einfach aber bestimmt: Ich tue es für die Tiere.
Wird es mir gelingen, mich der Realität der ausgesetzten Straßentiere zu stellen, der Misswirtschaft in Tierheimen, der verletzten und misshandelten Tiere, von denen es unglücklicherweise so viele gibt in meinem Land?
Mir wird klar, wie sehr ich all dieses ausgeblendet habe. Einfach um in der Lage zu sein, mein eigenes Leben weiterzuführen und nicht überwältigt und kraftlos zu werden. Woher nehmen diese Menschen, die sich dem entgegenstellen, ihre Kraft? Oft scheinen sie das Unmögliche zu tun.

Und oft lerne ich, ohne Fragen zu stellen und ich verstehe, ohne Antworten erhalten zu haben. Was wir tun zählt, und für jedes Tier, dem geholfen wird, macht es den entscheidenden Unterschied aus!
Und da ist sie, direkt vor meinen Augen, die Tatsache, dass die Aktionen derer, die sich kümmern, den entscheidenden Unterschied ausmachen und das Licht ins Dunkel bringen, das ich brauche, um stark genug zu sein, zum Weitermachen.
Ich habe Tiere gesehen, die sich erholt haben, obwohl es nach einem hoffnungslosen Fall aussah. Ich habe Menschen gesehen, die fürsorgliche Wertschätzung gezeigt haben, wo es den Anschein hatte, dass sie verschwunden war.
Und das alles, weil da jemand war, der es wagte, Gutes zu tun und ein gutes Vorbild zu sein.

Seit ich meine Arbeit als Assistent begann, habe ich so viel und so viele Dinge gesehen, die mich zu Boden gezogen haben, und so viel und so vieles, was mich wieder aufgebaut hat. Jedes Tier, das gerettet, behandelt, geheilt und dem geholfen wurde – sie alle waren kleine funkelnde Lichter der Hoffnung und der Ermutigung.

Aber die größte Hoffnung kam von meinen Mitmenschen, und sie kam in der Gestalt des guten Beispiels, ihrer guten Absichten und der richtigen Handlung, des unaufhörlichen und unermüdlichen Bemühens und nicht zuletzt der erstaunlichen Erfolge.
Ich vertraue auf die Macht dieses Beispiels und ich glaube fest daran, dass wir Licht bringen können in die dunklen Orte unserer Welt.
Gabriel Toma