Uschi

Uschi

 

Das erste Mal sah ich Uschi im Oktober, in einem überfüllten Tierheim im Osten Kretas. Sie hieß mit bürgerlichem Namen Faidra. Sie lag in ihrem flauschigen Körbchen im Flur neben unserem OP-Raum. Zunächst fiel mir nur ihr getrübtes Auge auf. „Marga, wenn du eine Minute Zeit hast, kannst du dir bitte den kleinen Hund hier mal angucken?“ Bei näherer Betrachtung sah ich, dass eines ihrer Hinterbeine auf halber Höhe amputiert war. Faidra hatte im August einen Autounfall gehabt und war nach der OP, die ein griechischer Kollege durchgeführt hat, im Tierheim gelandet.

Das Problem: zusätzlich zu dem amputierten Hinterbein war das gleichseitige Vorderbein im Oberarm gebrochen. Das bedeutet im Klartext: Faidra lief auf zwei Beinen. Sie balancierte ihr Gleichgewicht wie auf einem Fahrrad, es war erstaunlich und bewundernswert anzusehen. Doch dass dies nicht lange gut gehen kann und auf keinen Fall gut für die Knochen und Gelenke ist, liegt auf der Hand.

Ich bat darum, sie zum Röntgen zu schicken, um in Erfahrung zu bringen, ob man in Deutschland bei dieser alten Fraktur noch etwas machen könne – doch nichts passierte.

Als wir einen Monat später wieder vor Ort waren und Faidra immer noch dort war, war ich wirklich frustriert. Das kann doch nicht so bleiben und es ist sowieso schon viel zu viel Zeit vergangen. Diesmal klappte es mit den Röntgenbildern, die ich sofort an die Klinik in Norderstedt übersandte. Ich hatte eigentlich fest mit der Antwort „Da kann man leider nichts mehr machen, die Fraktur ist zu alt“ gerechnet, doch stattdessen hieß es „Ja, schick sie mal nach Deutschland. Eine Chance besteht.“

Auf dem Rückweg unserer Osttour hatten wir also einen Hund mehr im Gepäck. Im NLR angekommen, beschlossen wir, dass der Name Faidra zu umständlich sei, vorübergehen hieß sie Uschi. Das ist geblieben, ihr gefällt ihr Name.

Uschi flog drei Wochen später mit mir nach Hamburg. Das größte Problem war es, eine Pflegestelle für sie zu finden, denn die Vermittlung läuft zurzeit sehr schleppend und unsere Pflegestellen sind alle voll. Ich selbst bin direkt auf einen Kapverden-Einsatz geflogen und konnte Uschi somit auch nicht nehmen. Doch das Netzwerk funktionierte und auch wenn Uschi etwas hin- und herreisen musste, fanden sich liebe Menschen, die sie vorübergehend zu sich nahmen, sie in die Klinik zu ihrem Operationstermin brachten, sie wieder abholten, es fand sich jemand, der Uschi von Hamburg bis ins Ruhrgebiet eine Mitfahrgelegenheit gab, wo sie sich die letzten Wochen bei meiner Kollegin Sarah von der OP erholen konnte.

Heute, am 2. Weihnachtstag, haben Sarah und ich uns auf halber Strecke getroffen und ich habe Uschi wieder übernommen, da Sarah in den Urlaub fährt.

Es war das größte Weihnachtsgeschenk für mich, die kleine Hundedame auf drei Beinen laufen zu sehen. Noch darf sie sich nicht viel bewegen und sie läuft (glücklicherweise) sehr vorsichtig auf ihrem „neuen“ Bein, doch der gesamte Bewegungsablauf ist ein anderer, ein flüssigerer. Sie ist agiler, ein ganz anderer Hund!

Während ich diese Zeilen tippe, liegt Uschi mir gegenüber in ihrem Körbchen neben dem Weihnachtsbaum. Ich schaue sie an und ich weiß, dass wir alles richtig gemacht haben und ich bin sehr dankbar, dass wir durch unseren Verein die Möglichkeit haben, diesem kleinen Geschöpf zu einem neuen Leben zu verhelfen. Auch wenn die Logistik kompliziert war und immer noch ist – mir war klar, dass ich in diesem Moment Uschis einzige Chance auf ein Leben war. Wegschauen war einfach keine Option.

Uschis OP-Kosten belaufen sich auf circa 2500 €. Wenn Sie uns dabei helfen möchten, diese Kosten zu decken, wären wir Ihnen sehr dankbar.

Uschi ist verträglich mit anderen Hunden, hat aber auch nichts dagegen, Einzelprinzessin zu sein. Katzen interessieren sie nicht sonderlich. Mit kleinen Kindern haben wir noch keine Erfahrungen gemacht. Sie hat noch strikten Leinenzwang und freut sich momentan über ein Stück Rasen in der Nähe des Hauses oder einen kleinen Garten.