Gimli - ein Nachruf

Ein Bericht von Sara Kohl | Superpflegestelle

Mein Kleiner Gimli,
vor knapp zwei Jahren bist du zu mir gekommen. Alt, mit krummen Beinen, ganz schlimmem Husten und durchaus misstrauisch allem gegenüber. Der Maulkorb wurde bis zum Schluss unser Begleiter. Obwohl wir ihn irgendwann nur noch selten gebraucht haben. Ich hab dich einfach so wie Du warst gelassen und konnte dich bald davon überzeugen, dass ich gar nicht so schlimm bin. Das Eis war gebrochen und du hast mir vertraut, bist mir gefolgt, hast Schutz bei mir gesucht. Es ist immer wieder etwas Besonderes, wenn diese alten Käuze einem das Herz öffnen. Da kann man manche Dinge verzeihen.

In der Zeit, die du jetzt hier warst, hast du mich mehr als einmal zur Verzweiflung getrieben und ich hätte dich gerne das eine oder andere Mal zerwurschtelt. Wenn du wieder irgendwas geklaut und zerstört hast oder mal wieder meine Schlappen zerschreddern musstest. Nichts war vor dir sicher, du alter Kleptomane. Aber man konnte dir trotzdem nicht böse sein, denn du hast mich dann immer von unten raus angeschaut, so nach dem Motto „Ist was?“
Und schon musste ich wieder über Dich lachen.

Spielzeuge waren dein Heiligtum und bis zuletzt hast du es dir nicht nehmen lassen, deinen Kauring vom Sofa zu ziehen. Im Zweifelsfall mitsamt der Sofadecke, weil du sonst nicht herangekommen bist und anschließend hast Du stundenlang darauf rum gekaut.

Unvergessen sind deine Frotzeleien mit Robbie, die uns alle immer wieder zum Lachen gebracht haben. Wenn er das Spieli hatte oder auf dem Platz war, wo du hin wolltest, hast du dich einfach davor gesetzt und gewartet in der Hoffnung, dass er das Begehrte kurzfristig außer Acht lässt. Und zu 100 % hattest du Erfolg mit deiner Taktik.

Ach Gimli, während ich so schreibe und an dich denke, kommt mir schon wieder ein Lächeln auf die Lippen, denn deine gute Laune und dein Strahlen waren einfach legendär.
Eine Katze hat sieben Leben, ich glaube du hattest deutlich mehr. Wie oft du schon dem Sensenmann von der Schippe gesprungen bist und dich wieder ins Leben zurück gekämpft hast, ist einfach unglaublich. Die Tötungsanstalt in Slatina, der schlimme Husten, die kaputten Gelenke und Beine, die Bauch-OP mit allen Komplikationen, nachdem du dein Kauseil gefressen hast, Kreuzbandriss links, Kreuzbandriss rechts und die diversen unverdaulichen Sachen, die du einfach heruntergeschluckt hast und die auf natürlichem Wege wieder zum Vorschein kamen. Wahnsinn, wie so ein kleiner Kerl all das aushalten kann. Aber du hast mit Stolz und erhobenen Hauptes gekämpft. Gekämpft wie dein Namensgeber, der Kampfzwerg aus Herr der Ringe.

Als ich dich gehen lassen musste, konnte das niemand glauben, denn am Wochenende warst du noch so guter Dinge und bester Laune. Ja, so warst du bis zum Schluss, mein kleiner Freund, trotz der Schmerzen immer tapfer. Aber ich habe gemerkt, wie du die letzten Wochen immer mehr kämpfen musstest, wie du müde wurdest und die Kraft zum Kämpfen immer weiter nachließ. Als dann heute feststand, dass wir keine Chance mehr hatten, deine Lebensqualität nochmal zu verbessern, tat es mir unendlich weh. Mir klar, dass ich für dich entscheiden musste, denn du würdest nie aufgeben, egal wie sehr die Qualen dich plagten. Du warst einfach zu stolz zum Aufgeben.

Kleiner Gimli, auch wenn es jedes Mal wieder von neuem schmerzt und weh tut, wenn einer von euch gehen muss, verspreche ich dir, dass dein Platz nicht leer bleiben wird. Wenn die Zeit reif ist, wird wieder eine alte Socke bei mir einziehen dürfen. Denn es ist jedes Mal eine Bereicherung zu sehen, wie diese Tiere auftauen und das Leben und seine Vorzüge nochmal in vollen Zügen genießen.
Kleiner Gimli, jetzt lauf schnell in ein Leben ohne Schmerzen. Grüß‘ mir die anderen, die vorgegangen sind. Es war mir eine ganz besondere Ehre, dich kleinen Kämpferzwerg eine zeitlang auf Deinem Weg begleiten zu dürfen.
Ich hab dich lieb und werde dich nie vergessen.
Dein Frauchen Sara

Nicht in Worte fassen lässt sich die Leistung unserer Pflegestellen und Vermittlerinnen.Jahrein, jahraus werden Transporte organisiert, Hunde abgeholt und gebracht, stunden- und oft auch nächtelang mit Interessenten, neuen Besitzern und untereienander kommuniziert, um dann irgendwann das Wunder geschehen zu lassen. Immer und immer wieder: Ein Tier, das kein Zuhause, keinen Fürsprecher und meistens medizinische Probleme, die nicht selten lebensbedrohend waren, hatte, steigt auf zum geliebten Familienmitglied.
All das wäre undenkbar ohne Euer ehrenamtliches Engagement.
Der Förderverein, aber besonders Eure Schützlinge sagen:
„Danke, und hört nie auf!“