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Kozani - Wo Zusammenarbeit Hoffnung schafft

Ein Bericht von Melanie Stehle, Tierärztin

Die wohlgenährte Hündin, die schon seit langem kastriert ist, liegt noch immer vor dem Hotel. Sie macht den Eindruck, als würde sie es bewachen. Jeder kennt sie auf dem Platz, sie lebt seit vielen Jahren hier und sie gehört als Straßenhündin einfach dazu. Es sind insgesamt zwei kastrierte Hündinnen und ich rechne aus, wie viele Welpen die beiden bereits geworfen hätten. Drei Jahre in Kozani mal zwei Trächtigkeiten pro Jahr mal 10 Welpen, grob geschätzt. Macht 60 Welpen mal zwei Weibchen. Es wurden also 120 neue Hunde nicht geboren. Ich schmunzle und als ich aufsehe, lächeln mich zwei freundliche Augen an. Als hätte die Hotelbesitzerin meine Gedanken erraten, schenkt sie uns die besten Wünsche vor Dankbarkeit für einen erfolgreichen Kastrationstag und entlässt uns aus dem Frühstückraum in einen arbeitsreichen Tag. 
An der Gemeindeklinik angekommen erwartet uns ein weiterer herzlicher Empfang. Der Amtstierarzt freut sich über unser Erscheinen, wie gleichfalls die Organisatorin und die Einheimischen, die unaufhörlich den ganzen Tag über Tiere bringen.
Es ist, als wäre es meine Klinik. Ich kenne jeden Winkel, jede Schublade und jedes Medikament. Logisch denken Sie, natürlich kennt die Ärztin ihre Medikamente. Aber es ist nicht nur das Fachliche, was hier gefragt ist. Es ist das Menschliche, das Ziehen an einem Strang. Es ist die pure Freude, gemeinsam etwas zu bewegen. Ich kenne Gemeinden, da ist das anders. Da muss jeder Einsatz angemeldet, genehmigt, zeitlich abgestimmt und am Ende wieder verschoben werden. So als wären wir lästig. Das bin ich dann sicherlich auch, und zwar so lange, bis sich etwas bewegt. So lange nerve ich die Verantwortlichen, zeige Schwachstellen auf, bitte um etwas mehr Elan und mache Druck. Auch dort kenne ich meine Instrumente und die Medikamente, aber allem lastet ein Schleier inne, den ich in Kozani noch nie gespürt habe. 
Die Tage vergehen wie immer. Ich würde Sie langweilen, wenn ich über die Entfernung von ausgelaufenen Augen rede. Von riesigen Hündinnen, die richtig viel körperliche Arbeit für uns  bedeuten. Von einer Kastration nach der anderen, bis mir am Ende der Zeit meine Finger schmerzen. 
Vielmehr erwähne ich den Abschied und schließe den Kreis zum Hotel. Die beiden Schwestern, die es betreiben, fiebern mit unserer Arbeit mit. Sie wollen immer ganz genau wissen, wie unser Tag war und wie viel wir geschafft haben. Sie sind so süß, dass sie uns anbieten, morgen früh an unserem Abflugtag um 4:00 die Brote zu schmieren, damit wir unterwegs auch ja nicht verhungern. Ich bin gerührt, durch die Anstrengung leicht emotional und sehe, als wir aus der Stadt hinausfahren, einen Welpen am Straßenrand sitzen. Seine drei Geschwister spielen hinter ihm im Gras. Er sieht mich an und erwidert mein Blick. Sein Kopf dreht sich und folgt dem Auto, welches meine weltbeste Assistentin, Sabrina, zum Flughafen steuert. Auch sie hat den Welpen gesehen. Wir reden kein Wort, wissen aber ganz genau, dass dieser Welpe mit seinem Blick all das verkörpert, wofür wir angetreten sind. Wofür wir von morgens bis abends alles geben und was uns unverzüglich und so schnell wie möglich zurückkommen lässt. 
Danke an alle Verantwortlichen in Kozani für die schöne Zusammenarbeit. 
Eure Melanie