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Im November 2014 war es endlich so weit. Ein Flugpate war gefunden und die junge Hündin Forest konnte von Kreta nach Deutschland ausreisen. Sehnsüchtig haben wir ihre Ankunft erwartet. Einige Wochen zuvor hatten wir Kontakt zum Tierschutz Arche Noah aufgenommen und uns nach der Adoption eines für uns geeigneten Familienhundes erkundigt. Die traurige Geschichte von Forest, die so grausam misshandelt gefunden wurde, hat uns sehr berührt (im Report vom Dezember 2014 wurde darüber berichtet, S.34-35) und wir haben uns spontan in ihr Foto verliebt.
Als wir sie schließlich abholen durften, begegnete sie uns als sehr scheues Hundekind, gefühlt nur halb so groß, wie sie auf den Bildern aussah. Das Leben in unserer Familie sollte ein großer Neuanfang für sie werden. Da sich der Name Forest schlecht ruft und hart klingt und sie auf diesen Namen nicht reagierte, nutzten wir die Chance ihr einen neuen Namen zu geben. Athina sollte sie von jetzt an heißen, dem griechischen Namen der Göttin Athene. In Erinnerung an ihre Vergangenheit und als Symbol für Kraft und Stärke in ihrer Zukunft.
Obwohl sie in ihrem neuen Zuhause sehr schnell auftaute und eine sehr innige und enge Bindung zu uns aufbaute, blieb sie draußen doch sehr ängstlich und scheu und auf Spaziergängen wurde sie von Panik und Futtergier überwältigt. Sie fraß ALLES, was sie finden konnte. Jede Begegnung mit anderen Menschen versetzte sie in große Panik, schlimmer noch war es, wenn Besuch zu uns ins Haus kam. Neben dem sicheren Ort in unserem Haus und Garten entwickelte sich der Reitstall zu ihrem zweiten Refugium. Unsere vier Pferde wurden zu ihren besten Freunden, die sie zunehmend mehr bewachte und auch maßregelte. Selbstverständlich begleitete sie uns unaufgefordert ohne Leine bei Fuß wo immer es hinging. Sie genoss gemeinsame Ausritte, bei denen sie große Energie und Ausdauer bewies und auch an der Leine, wie es in den Wäldern vorgeschrieben ist, blieb sie stets umsichtig der perfekte Begleithund. Allmählich konnte sie im Reitstall auch die Gegenwart anderer Menschen akzeptieren. Auch die anderen Hunde und Katzen im Stall boten zum Spielen willkommene Unterhaltung. Mit ihrer Aufmerksamkeit für die Pferde konnten diese aber nie konkurrieren.
Vor vier Jahren haben wir unser Haus in der Stadt verkauft und einen Resthof auf dem Land bezogen. Für Athina ist das Leben hier das große Paradies. Sie hat nun ihre Pferdefreunde den ganzen Tag um sich. Mit dem Umzug entstand der Gedanke, die fehlenden Hundekontakte auf unserem Hof in Alleinlage durch einen Hundekameraden auszugleichen. Der aus einem rumänischen Shelter von der Tötungsstation gerettete Rüde Tristan kam zunächst als Pflegehund zu uns, blieb dann aber natürlich, weil alle auch ihn ins Herz schlossen und er selbst sich überhaupt nicht bereit zeigte, sich auf ein anderes zu Hause als bei uns einzulassen. An Athinas Seite blühte der verwahrloste gefangene Straßenhund auf und ordnete sich ihr ergeben unter. Vor etwa zwei Jahren schließlich brachte unsere Tochter noch die kleine ältere Hündin Callie aus England mit, die ebenfalls ein trauriges Schicksal hinter sich hatte. Nachdem sie drei Tage angeleint auf einer Autobahnraststätte ausgesetzt gewartet hatte, bis ein LKW-Fahrer den Tierschutz alarmierte, war sie in ein Tierheim gekommen, wo sie nun getötet werden sollte, weil auch nach längerer Zeit niemand Interesse an ihr gehabt hatte. Auch sie genießt das neue Leben hier und trägt mit ihrem ausgeprägten Spieltrieb ihren Teil zur Gemeinschaft bei.
So bewacht die kleine Hundebande nun unsere Familie, Haus, Hof und Pferde. Athina allen voran als die große Chefin! Auch einen Kreuzbandriss, der operiert werden musste und sie für Monate einschränkte, weil die Wunde nicht verheilte, bis das Implantat wieder entfernt wurde, hat sie gut weggesteckt und erblüht nun, gesundheitlich wieder völlig fit, zu neuer Reife. Tristan hat mit seiner offenen Art gegenüber allen Menschen sicherlich positiv dazu beigetragen, dass sie ihre Angst überwinden konnte. In ihrer Aufgabe als Hütehund hat sie ihre wirkliche Passion gefunden und kann ihr großes Temperament kanalisieren. Freunde, die uns hier besuchen, halten es dann immer kaum für möglich, was für ein schöner, großer, lebhafter und aufgeschlossener Hund aus dem verängstigten Hündchen von damals geworden ist. Es ist schön zu erkennen, dass man Glück in den Augen der Hunde sehen kann und wie es jeder von ihnen auf seine ganz individuelle Weise in seinem Verhalten ausdrückt.
Die Geschichte von Athina habe ich heute aufgeschrieben, weil ich zufällig im Internet auf eine Seite gestoßen bin, wo Hunde aus rumänischen und griechischen Tierheimen nach einem zu Hause suchen. Um all denen Mut zu machen, die sich dem Gedanken tragen einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren. Sicherlich ist der Weg wirklich nicht immer einfach. Neben Freude, Liebe und Glück gehören zum Alltag der Hundehaltung auch, Sorgen und Enttäuschungen, wenn Dinge nicht wie erhofft klappen. Unterm Strich bleibt im Blick zurück aber vor allem das ganz große Glück, dass uns in der Kameradschaft mit Tieren widerfährt, uns alles investierte doppelt zurückgibt und das jede Mühe wert ist.
Meine Familie und ich möchten uns an dieser Stelle von ganzem Herzen bei den Tierschützern und Helfern der Arche Noah e.V. für unsere tolle Athina (Forest) bedanken. Danke, dass ihr sie gerettet und an uns vermittelt habt! Sie ist unser ganz großes Glück!
Christine Beuckers - Klein Barkau im Dezember 2021