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Winnie sucht ein Zuhause

Meine Assistentin Sabrina und ich reisen schon seit vielen Jahren immer wieder in Tierschutz-Krisengebiete, in welchen uns beiden einiges abverlangt wird. Das führt dazu, dass wir uns blind verstehen und oft Blicke ausreichen um zu sehen, was der andere denkt.
„Irgendetwas stimmt hier nicht“ flüstert Sabrina, während ich von meiner Operation aufsehe und beobachte, wie sie den Bauch meiner nächsten Patientin abtastet. Ohne weiter sprechen zu müssen, leitet sie alle erforderlichen Vorbereitungen ein, um auf eine eventuell größere Operation vorbereitet zu sein.

Sabrina hatte eine Struktur ertastet, die ich nun versuche zu identifizieren. Den Darm habe ich aus dem Bauch herausgeholt und auf meinem OP-Tuch ausgebreitet. An einer Stelle ist etwas, was dort nicht hingehört. Später klärt sich meine Vermutung auf, dass es ein Fremdkörper ist, der sich durch die Darmwand gezwängt hat und sich an ihrer Peripherie einkapselte. Der Darm ist an dieser Stelle geschädigt. Ich sehe mich gezwungen, den Darm auf einer Länge von 10cm zu resezieren. Stellen Sie sich einen Gartenschlauch vor, dem sie ein Stück herausschneiden. Die Kunst dabei ist es, ihn wieder aneinander zu bringen, ohne dass er abstirbt, undicht wird, sich nicht ineinander verschiebt oder seine Funktion einstellt.
Nach 1,5 Stunden bin ich fertig. Winnie wird in eine Box gebettet und der nächste Patient auf den Tisch zur Kastration gelegt. Zeit zum Durchatmen gibt es nicht. Allerdings wachen über diese eine Box zwei Augen. Eins von Sabrina und eins von mir. Wacht unsere Patientin gut auf? Erbricht sie? Alles weitere wird die Zukunft bringen.
Die Zukunft bestand aus acht Tagen, in denen wir beide eine Intensivpatientin betreuten. Acht Tage des Bangens und des Hoffens. Acht Tage mit Füttern, Medikamenten, gutem Zureden, Fieber und allem was man nicht braucht. Wir wuchsen zusammen. Unsere Winnie und wir.
Ich konnte sie in ihrem Zustand nicht zurück auf die Straße setzen, denn zum Zeitpunkt unserer Abreise war sie noch nicht über den Berg. Also schickte ich sie in den Himmel. Aber der Himmel gibt Gott sei Dank einiges auch wieder frei und so landeten wir sicher in München.
Winnie erholte sich in meiner Wohnung von Tag zu Tag und eine liebe Nachbarin nahm sie zur weiteren Pflege bei sich auf, da ich für einen erneuten Einsatz wieder los musste.
Da dort aber bereits auch andere Katzen auf eine neue Familie warten, wäre ein neues Zuhause für unseren Schatz ein Lottogewinn.  Winnie ist eine verschmuste und liebe Katze. Dass ihr 10 cm Darm fehlen, merkt kein Mensch mehr, lediglich ihr alter Bruch am Vorderbein fällt auf, der Winnie aber nicht beeinflusst.
Wer ihre Reise endgültig beenden möchte – höllische Schmerzen, fast tot, sich zurückgekämpft, in den Himmel aufgestiegen, daraus wieder zurück – darf sich gerne bei mir melden.

Winnie ist andere Katzen und Hunde gewöhnt, braucht sie aber nicht zwingend, um glücklich zu sein. Sie kuschelt und spielt gerne und freut sich über ausgedehnte Streicheleinheiten. Da sie in ihrem früheren Leben Freigängerin war, möchte wir ihr dies auch später wieder ermöglichen.


Ihre Melanie
 

Informationen

Geburtsdatum Januar 2022
Größe 20cm
Gewicht 3kg
Geschlecht weiblich
Standort 85254 Sulzemoos
Sonstiges gechippt, geimpft, entwurmt, kastriert
Kontakt Melanie Stehle; 01751664705; M.Stehle@tieraerztepool.com