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NLR

Ein Bericht von Thomas Busch, Tierarzt und 1. Vorsitzender

Wenn wir für jeden Gedanken, den wir in den Kauf des NLR (New Life Resort, unsere Station auf Kreta) gesteckt haben und die damit verbundenen Sorgen, einen Euro bekommen hätten, wäre das Geld schon längst zusammen. Haben wir aber nicht!

Das Thema ist in den Reporten, den Mitgliederversammlungen und in Vorstandssitzungen rauf und runter diskutiert worden, mit einem gleichgestellten Ergebnis der Vor- und Nachteile.

Durch die NLP (New Life Practice, unsere Tierarztpraxis in Rethymno) ist aber eins klargeworden: wir haben die Büchse der Pandora geöffnet. Aus der griechischen Mythologie kennen wir diesen Spruch und wissen, dass es Unheil bringt, die Büchse zu öffnen. Nun ist “Unheil” im Sinne der Arche aber anders zu definieren. Für uns kann es “Unheil” sein, für die Tiere definitiv nicht! Was wollen wir damit sagen?

Es gab und gibt auf Kreta bis heute keinen organisierten Notdienst. Ein verletztes Tier am Wochenende? Pech gehabt. Der Tierärztepool versucht mit seinen Tierärzten 365 Tage im Jahr Präsenz zu zeigen. Aber unsere Teams fahren über die Insel. Kastrieren sie im Osten, fehlt eine Besetzung im Westen und umgekehrt. Wir können nicht überall zu jeder Zeit sein. Dieser Umstand quält uns seit Jahren. Als wir Dr. Ema Alexandraki kennenlernten und von Dr. Ilona Skolarski aus Berlin eine komplette Praxis geschenkt bekamen, ergab sich eine gigantische Chance. Eine Tierarztpraxis, die permanent für den Tierschutz geöffnet ist, ist eine großartige Idee, die unverzüglich umgesetzt wurde (siehe Seite 18).

Die Arche hat bis jetzt kein Notfalltelefon, aber die Möglichkeit, uns verletzte Tiere online zu melden. Das wurde in der letzten Zeit oft genutzt und wir konnten dem einen oder anderen Tier tatsächlich helfen. Das bedeutet aber auch Eigeninitiative desjenigen, der das Tier gefunden hat, denn uns fehlt die personelle Kapazität, um, ähnlich einem Rettungswagen der Humanmedizin, gleich loszufahren. Diese Onlinemöglichkeit nutzten aber ausschließlich Touristen, Griechen ist schon durch die Sprache der Zugang verwehrt. Außerdem wissen viele Griechen nichts von der Existenz der Arche.

Wen man aber kennt, ist Ema. Sie hat 12 Jahre in Rethymno gearbeitet und macht sich mit der NLP selbstständig. Sie hat den Ruf einer guten Chirurgin und jeder weiß, dass Ema Tiere liebt. So kam es, dass die Praxis die Zulassung noch nicht hatte, Ema aber bereits fünf, dem Tode sehr nahe, Tiere aufgenommen hatte und zusätzlich endlos Anfragen zu verletzten Tieren erhielt. Wenn also zukünftig in Rethymno bekannt wird, dass Ema sich, mit der Arche im Hintergrund, um die Tiere der Straße kümmert UND wir die Touristen zu unserer Praxis delegieren können, dann ist die Büchse mehr als offen. Außerdem schallt unser Ruf bereits über die komplette Insel und sehr viele Tierschützer nutzen die Kontakte zu unseren Tierärzten. Wir konnten es bisher nur erahnen, wie viele Unfallopfer mit Knochenbrüchen, Hautabschürfungen, Kopfverletzungen usw. täglich auf Kreta anfallen, aber je weiter wir in dieses unbekannte Gebiet vorstoßen, desto klarer wird uns, dass dieser medizinisch sehr anspruchsvolle Teil einen eigenen Tierärztepool beschäftigen könnte. Hinzu kommt, dass die fachliche Kompetenz auf Kreta bezogen auf veterinärmedizinische Spezialgebiete kaum vorhanden ist.

Niemand weiß, was da auf uns zukommt, aber dieser Schritt ist wichtig und unserer Meinung nach der vorletzte in der Reihe eines perfekten Tierschutzgedankens. Vorrangiges Ziel zu Beginn ist es, die Zahl der Tiere drastisch zu reduzieren, was uns an vielen Stellen bereits gelungen ist. Ist ihre Anzahl zu handhaben, kann man beginnen, sich optimal um die zu kümmern, die noch da sind. Das gilt auch für Privattiere, die oft unterversorgt werden, weil die fachliche Kompetenz fehlt. Mit entsprechenden Fortbildungen möchten wir in ferner Zukunft auch dieses letzte Kapitel eines großartigen Tierschutzkonzeptes schließen.

Sollte es so sein, dass uns verletzte Tiere im Stundentakt gebracht werden, müssen wir darauf personell reagieren. Was wir aber definitiv brauchen, sind Unterbringungsmöglichkeiten. Und damit rückt das NLR wieder stärker in den Fokus. Wir brauchen eine Station, die Sie gerne mit einem Krankenhaus vergleichen können. Tausende Tiere verdanken dem NLR in den letzten zehn Jahren ihr Leben. Eine Alternative gibt es nicht, wir brauchen einen Platz der Unterbringung und das NLR ist dahingehend schon perfekt ausgebaut.

Seit Beginn unseres Einzuges gibt es Stimmen aus Ihren Reihen, die einen Kauf präferieren und auch mitfinanzieren würden. Konkret wurde aber nichts formuliert, zumal auch wir nie eine konkrete Kaufsumme oder überhaupt ein Verkaufsinteresse seitens der Besitzer vorlegen konnten. Aber in einem Jahr läuft der Mietvertrag aus, entweder wir haben bis dahin etwas anderes gefunden (und alle Alternativen, die wir uns bis jetzt anschauten, waren alternativlos) oder wir sitzen auf der Straße.

Theoretisch äußerten die Besitzer eine Mietvertragsverlängerung, aber das löst unser Problem nicht, es verschiebt es nur. Und noch nicht einmal das ist sicher.

Es würde mich freuen, wenn diejenigen, die eine Mitfinanzierung vorgeschlagen haben, sich noch einmal bei mir melden, um über die neuesten Entwicklungen zu sprechen und ihr Angebot zu konkretisieren. Wenn wir diesen Schritt tatsächlich ins Auge fassen, dann machen wir das nur, wenn ein Teil so finanziert werden kann, dass unsere Rücklagen nicht zu stark angegriffen werden.

Wir brauchen eine Unterkunft! Für die Tiere, für die Teams, für das Equipment, für einfach alles. Aber der Tierschutz braucht auch gut ausgebildete Tierärzte, die überall auf der Welt in Kampagnen das fortführen, was wir erfolgreich auf Kreta für die Straßentiere begonnen und unter Beweis gestellt haben. Die Populationsreduzierung durch Kastrationen!

Wenn wir uns entscheiden müssen, ob Haus oder Tierärzte, ist die Entscheidung bereits gefallen.

Thomas Busch