Raja

Raja´s Geschichte reiht sich nahtlos ein in die Galerie der Fälle, über die lange diskutiert wird. Sehr lange. Aber genau deshalb liebe ich unseren Verein, weil für jedes Leben gekämpft wird. Allerdings nicht nur mit den Emotionen, sondern vor allem mit dem Fachwissen einer ganzen Mannschaft von Tierärzten, die uns helfen und uns vor Fehlentscheidungen bewahren.

Raja´s Chancen standen schlecht, da waren wir uns alle einig und eine Euthanasie wäre vertretbar gewesen. Bei einer medizinischen 50:50 Chance geben andere Parameter den Ausschlag. An erster Stelle steht für uns alle die Frage, ob das Tier anschließend ein artgerechtes und schmerzfreies Leben führen kann. Dann folgen die Aspekte der Betreuung bis zur Heilung, die Pflege danach - falls eine Behinderung bleibt - der Charakter des Tieres und seine Vermittelbarkeit. Ebenfalls nicht ganz unwichtig sind die Kosten, aber meine lieben Arche-Fans, da haben Sie uns noch nie im Stich gelassen. Egal was es bisher war, die Kosten sind durch Sie immer zusammengekommen ohne dass wir die Kastrationsaktionen einschränken mussten, und dafür möchte ich an dieser Stelle im Namen des gesamten Teams ein herzliches Dankeschön an Sie richten.
Zurück zu Raja. Da lag sie nun auf meinem Schoss. Aufgegabelt am Straßenrand von Chania. Die Frage, was aus ihr geworden wäre, wenn nicht in unserem Augenwinkel… bremsen… anhalten… einpacken… stellen wir nicht mehr.

Ein Baby mit vielleicht fünf Monaten. Zwei kaputte Beine. Eins davon sogar nur halb. Die nächste Frage, was mit ihr passiert war, stellen wir auch nicht mehr. Es ist ja auch völlig egal.
Da liegt nun so ein reizendes Wesen auf meinem Schoss und leckt mir über die Hände. Das Schwänzchen wedelt, als wären wir seit Jahren befreundet. Antonia lenkt das Auto, blickt immer mal wieder zu mir und meinem schwarzen Findelkind und schüttelt den Kopf. Aber ich kenne sie. Dieses Kopfschütteln ist keine Resignation über ihren Zustand, sondern das Unverständnis, dass sich bisher niemand um diesen Zwerg gekümmert hat. Tief in ihr beginnt der Kampf, den ich oben bereits beschrieben habe.
Er endet mit einem Sieg. Einem Sieg, für den wir einen langen, aber eigentlich gar nicht so steinigen Weg gegangen sind. Raja kam zu mir nach Deutschland. Termine bei Spezialisten für Knochenbrüche und Fehlstellungen folgten. Ebenso wie eine preislich sehr reduzierte OP in Duisburg. Auch hierfür ein riesiges Dankeschön! Damit was ihr Carpus valgus am Vorderbein gerichtet und lediglich ein Fixateur extern über 12 Wochen war zu ertragen. Schmerzmittel, das versteht sich von selbst, sorgten bei meinem Schatz für keinerlei Anzeichen einer Beeinträchtigung. Den Stumpf ihres Hinterbeines hatten wir inzwischen komplett geheilt und die offene Stelle war zugewachsen.

Es war unglaublich, wie geschickt Raja ihren Körper nutzte um schon in dieser Zeit fast wie ein normaler Hund auszusehen. Als der Fixateur entfernt wurde, der Gott sei Dank an keinem Tag Probleme bereitete, wurde die erste Prothese für ihr Hinterbein angepasst. Ich hatte inzwischen gute Kontakte gefunden und war selbst überrascht, was auf diesem Gebiet alles angeboten wird. Raja hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen riesigen Fanclub um sich gescharrt und damit die weiteren Kosten gesichert. Sechs Monate dauerte es, bis alles passte, akzeptiert wurde und seitdem für „normal“ angesehen wird. Raja hat nun wieder vier gesunde Beine – naja fast vier – und rennt als wäre nie etwas gewesen.
Heute legt sie sich immer noch gerne auf meinen Schoss und leckt über meine Hände. Dabei scheint sie mir zuzuzwinkern und sagen zu wollen: „siehste, es war doch alles gar nicht so schlimm.“

Raja lebt seitdem bei mir und ist selbstverständlich auch noch zu vermitteln. Aber ich schwöre Ihnen, dass bei Interesse, mir und Raja alles an Ihnen, bis zu Ihrer letzten Haarspitze, gefallen muss. Ansonsten bleibt mein Schatz bei mir. Verständlich oder?

Ihre Sabrina