Apollo

Apollo kennen wir schon lange. Als wir noch in der alten Station auf Kreta wohnten, lief uns ein Kater zu, die eine riesige Hautverletzung an seinem Rücken trug. Wir pflegten ihn über Wochen hinweg. Eines Tages nutzte er die Gelegenheit, eine angelehnte Türe zu öffnen und das Weite zu suchen. Menschen, die auch noch an seiner Hautwunde manipulierten, waren ihm unheimlich. Zu diesem Zeitpunkt war die zehn Zentimeter große Wunde auf eine Größe von zwei Zentimetern zurückgegangen. Zwei Jahre später wurde uns erneut ein Kater gezeigt, der eine große Verletzung am Rücken hatte. In aller Eile suchten wir die Fotos von damals heraus und verglichen diese: es war eindeutig derselbe Kater. Apollo war mittlerweile zahm geworden. Zwar stets erstarrt, wenn er spürte, dass wir etwas von ihm wollten, aber ein eigenes Hotelzimmer mit Vollpension gegen ein hartes, oft entbehrliches Leben auf der Straße zu tauschen, war für ihn zumindest eine Überlegung wert. Nun passten wir wie Luchse auf und boten ihm keine Chancen mehr, zu entwischen, bevor nicht alles verheilt war. Doch genau diese Heilung dauerte und dauerte und dauerte. Apollo wurde zutraulicher und immer verschmuster. Er gehörte schon zum festen Stamm in der Station, aber, je länger er bei uns war, desto unglücklicher wurden wir. Eine Katze hat frei zu sein, erst recht, wenn sie dieses Leben gewöhnt ist. Ich nahm meinen Mut zusammen und operierte die letzten zwei Zentimeter zu. Ein Wundverschluss unter Spannung ist immer ein Risiko, mit umliegenden Entlastungsschnitten aber nicht unmöglich. Ich wollte endlich einen Schlussstrich ziehen unter eine Wunde, die Apollo seit über zwei Jahren aushalten musste.

Und während die Naht zuheilte, schmuste Apollo immer intensiver. Ich erklärte ihm, dass ich nicht weiß, was ich mit ihm machen soll. Wieder zurück auf die Straße möchte er nicht, das sagt er mir mit jedem Schnurren. Seine Wunde ist zwar zu, aber über den Berg sind wir dennoch nicht. Seine Zahnfleischentzündung braucht von Zeit zu Zeit Medikamente. Auch Apollo versteht die Misere seiner Lage und schnurrt nur noch lauter. Dass dieser kleine Kerl einen Plan hat, weiß ich in diesem Moment noch nicht. Vielmehr versuche ich Thomas zu erklären, dass er in Deutschland doch auch bei uns wohnen könnte, bis wir einen neuen Besitzer gefunden haben. Ich weiß, dass ich hoch gepokert habe, denn ein tolles Zuhause für einen bereits zirka fünfjährigen Kater zu finden ist nicht einfach. Seit er bei uns eingezogen ist, liegt er brav auf seiner Decke. Seine größte Freude am Tag ist der Moment, in dem ich meinen Sohn ins Bett bringe und er sich ganz unscheinbar und leise schnurrend dazu kuscheln darf. Seine ruhige und bescheidene Art machen ihn so liebenswert. Er ist stubenrein, zerstört nichts und ist dermaßen unscheinbar, dass man manchmal fast vergisst, dass er irgendwo gemütlich in der Wohnung schläft. Wir hofften, bald eine Familie für ihn finden zu können. Die ihm die Liebe gibt, die er nach all den Entbehrungen verdient hat. Überglücklich konnten wir Apollo und uns diesen Wunsch erfüllen.

Lesen Sie, wie es ihm heute geht:
Apollo ist ein sehr ruhiger, gutmütiger, zurückhaltender Kater.
Als er zu uns kam eroberte er sich sein neues Zuhause vorsichtig in kleinen Schritten, Zimmer für Zimmer. Apollo ist kein Kater der uns bedrängt oder nach Futter bettelt. Hat er Hunger, meistens wenn er aus dem Garten hereinkommt, setzt er sich im Flur vor die Küchentüre. Er wartet geduldig bis einer von uns mit dem gefüllten Futternapf aus der Küche kommt. Leise geht er dann zu seinem Futterplatz und genießt schmatzend das ihm angebotene Futter. Er liebt es, wenn einer von uns ihm dabei Gesellschaft leistet. Auch beim Kuscheln ist er nicht fordernd. Setzt man sich zu Apollo, nähert er sich bescheiden und zeigt so, dass er gestreichelt werden möchte, was er sanft schnurrend dann auch ausdauernd genießt. Apollo ist ein richtiger Yoga-Kater, der für ausgleichende Ruhe sorgt. Als Katze ist ihm seine Freiheit natürlich auch sehr wichtig. Oft, wenn er durch die Terrassentüre ins Freie tapst, sprintet er durch den Garten zu unserem Apfelbaum, klettert wie wild hinauf und springt gleich wieder herunter. Außerdem wälzt er sich gerne in der Erde. Seine große Freude ist unübersehbar. Wann es Zeit ist ins Haus zu gehen, um sich auf ein ruhiges gemütliches Plätzchen zurückzuziehen, bestimmt Apollo gerne selbst. Zur Schlafenszeit der Kinder wartet der knufflige Kater darauf, sich auf die Matratzen der Kinder zu legen und sich ausgiebig in den Schlaf streicheln zu lassen.