Skinny

Betrachten wir Tiere, die uns zur Kastrationsaktion gebracht werden, mit unserem nach deutschen Standard geprägten Auge, so hat man immer wieder das Gefühl: „oh Gott, dieses Tier muß ernsthaft krank sein, sonst würde es nicht so fürchterlich aussehen“. In vielen Fällen trifft dies auch zu, denn die Tiere müssen mit ihren Erkrankungen häufig ohne eine medizinische Versorgung ausharren. Genau dieses Gefühl kam in uns auf, als Skinny zur Kastration gebracht wurde. Sie bestand nur aus Haut und Knochen, ihr Fell war schmutzig und ihr Anblick erbärmlich. Nie hatte ich eine so abgemagerte Katze gesehen, sie wog gerade mal 1,7kg, ihrer Größe zufolge wären 4kg Körpergewicht eigentlich das, was sie haben müsste. Uns war klar, dass sie in diesem Zustand nicht narkosefähig war und wir auf die Suche nach der Ursache für ihren schlechten Zustand gehen mussten. Wir entschieden uns, sie stationär aufzunehmen, um sie besser beurteilen zu können. Als geduldige Patientin ließ sie sich vorbildlich Blut abnehmen. Ein Abszess am Kiefer war aufzufinden, erstaunlicherweise waren all ihre Blutparameter unauffällig und sie war auch nicht an Infektionskrankheiten erkrankt. Konnte der Abszess das starke Abmagern erklären? Wir gingen weiter auf die Suche und auf Nachfragen erfuhren wir, dass sie vor Kurzem einen großen Wurf Katzenwelpen aufgezogen hatte. Sie lebte als Hofkatze in einem Frauenkloster, die Schwestern versorgen dort mehrere Katzen mit Futter. Sie machten sich ebenfalls Sorgen um Skinny, führten ihren Ernährungszustand aber auf das Aufziehen der vielen kleinen Kätzchen zurück. In Rücksprache mit der betreuenden Tierschützerin und der Ordensschwestern darf Skinny nun nach ihrer Genesung wieder an ihren Ort zurück. Da sie in der ganzen Zeit bei uns eher zurückhaltend gegenüber Menschen blieb, wäre eine Vermittlung nicht das Beste für sie gewesen. Vor Autos braucht man dort keine Angst zu haben und alle Beteiligten werden ein Auge auf Skinny haben. Wir sind glücklich und freuen uns für Skinny, dass wir ihr helfen konnten. Dank Ihrer finanziellen Unterstützung konnten wir ihr die medizinische Versorgung geben, die sie brauchte. Herzlichen Dank,

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