Rumänien

Pierdut din ochi, pierdut din inima, Ochii care nu se vad se uita .
dt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Rumänisches Sprichwort
April 2018 - Rumänien aktuell
Einige von Ihnen werden sich wundern, dass es von unserer Seite aus so ruhig geworden ist, was Rumänien angeht. Manche nehmen das auch sehr besorgt zur Kenntnis, das weiß ich. Der Grund weshalb es uns seit Ende 2015 kaum noch möglich ist in Rumänien zu arbeiten, ist, dass uns die Arbeit von Seiten der Behörden nahezu unmöglich gemacht wird. Es gibt jetzt, je nach zuständigem Veterinäramt, verschiedene, äußerst schwierig zu erfüllende Auflagen. An der Umsetzung dieser arbeiten wir gerade, bzw. die Zuständigen vor Ort. Auf den ersten Blick ist es natürlich unverständlich warum unsere Hilfe nicht willkommen ist. Die Hintergründe sind folgende: zum einen fürchten die einheimischen Kollegen um Einbußen was ihre Einnahmen angeht. Dabei liegt es auf der Hand, dass dem nicht so ist, kastrieren wir schließlich Tierheim- und Straßenhunde, sowie Tiere der armen Bevölkerung, die es sich niemals leisten könnten für eine Kastration zu bezahlen. Zum anderen ist es leider so, dass noch immer mit dem Strassenhundeproblem Geld verdient wird und sich gewisse Kreise damit ordentlich in die eigenen Taschen wirtschaften. Das Problem zu lösen ist daher nicht von allgemeinem Interesse. So hart und widersinnig das Ganze ist, wir können es nur zur Kenntnis nehmen und unser Bestes geben um die strengen Auflagen zu erfüllen. Wir hoffen, dass dies bald der Fall sein wird.
In Griechenland war die Situation vor ungefähr zehn Jahren sehr ähnlich. Allerdings reagierte der Förderverein parallel zu der Tierschutzarbeit vor Ort gleichfalls mit dem "juristischen Tierschutz", sprich, er sorgte mit seiner Anwältin Christina Rohde und am Ende sogar mit Hilfe der EU-Kommission dafür, dass die Protagonisten mit ihren illegalen Machenschaften hinter den griechischen Kulissen bzw. ganz oben in den Reihen des Agrarministeriums und den Tierärztekammern dermaßen unter Druck gesetzt wurden, dass nach vielen Jahren der Weg frei geräumt war für eine solide Tierschutzarbeit. Ich selbst habe mich in den letzten Wochen von dem entspannten Arbeiten auf Kreta, der absoluten Legalität und dem Miteinander zwischen lokalen Tierärzten und dem deutschen Förderverein überzeugen können.
Der Förderverein Arche Noah Kreta e.V. hat in all den Jahren viel Kritik über sich ergehen lassen müssen, denn der von ihm eingeschlagene Weg war nicht nur steinig, er war auch teuer. Für diese Art des juristischen Tierschutzes erhielt er keine Unterstützung von anderen Vereinen. Es wird sich zeigen ob uns letztlich in Rumänien auch nur dieser langwierige Weg bleibt oder ob wir hoffentlich schneller zum Ziel kommen.
Rumänien ist definitiv nicht aus unseren Köpfen verschwunden. Sobald wir vor Ort grünes Licht bekommen legen wir los!
Ihre Nina Schöllhorn

Pferdefuhrwerke. Störche. Brütend heisse Sommer. Gemüsehändler am Strassenrand. Schneidend kalter Wind im Januar. Wilde Landschaften. Bären. Produktionsstätte für die westeuropäische Industrie. Endstation für deutsche Gebrauchtwagen. All das kann man mit Rumänien assoziieren.

Aus Sicht des Tierschützers ist Rumänien aber vor allem: Hundekadaver am Strassenrand. Tierfänger. Streunende Hunde, im Rudel oder alleine, wo immer eine menschliche Ansiedlung ist. Und über das ganze Land verteilt unzählige Unterbringungslager als Menetekel für den verzweifelten Versuch, die allgegenwärtigen Straßenhunde von der Bildfläche zu tilgen.

Rumänien und seine Hunde

Spätestens seit dem Sturz des kommunistischen Regimes Ceausescus 1990 sind zwei Dinge in den Köpfen des Westens fest mit Rumänien assoziiert: bettelnde Waisenkinder und Strassenhunde. Während die einen tatsächlich eine direkte Folge der verbrecherischen Familienpolitik Ceausescus sind (für Interessierte: Ceausescus Familienpolitik auf Wikipedia), so sind die anderen wohl eher als das zu sehen, was sie auf der ganzen Welt sind: ein allfälliges Problem in sämtlichen Ländern, in denen die Menschen größere Sorgen als das Wohl ihnen fremder Tiere haben.

Verlässliche Zahlen zur Hundepopulation Rumäniens gibt es keine, eher schon zur Zahl der in bestimmten Zeiträumen getöteten Tiere. Heute stellt sich die Situation in den meisten Städten unverändert dar: Zu viele Hunde bevölkern die Straßen, stören durch lautes Gebell, verursachen Verkehrsunfälle und beißen hin und wieder auch mal zu. Man muss einerseits Verständnis dafür aufbringen, dass ein Großteil der Bevölkerung die Hunde als Ärgernis sieht, aber man muss auch akzeptieren, dass in Großstädten eine Eindämmung der Tierzahl weder schnell noch durch Einfangen und Töten/Wegsperren realisierbar ist. Neue Gesetze und neue Verordnungen versuchen seit 2013 durch Abgabe der Verantwortung auf Tierbesitzer das Problem zu lösen: plötzlich müssen alle Hunde (mit wenigen Ausnahmen) kastriert werden, unzählige bürokratische Maßnahmen wie die Einführung eines "Gesundheitsbuches" und eines Hunderegister verursachen einen enormen Arbeitsaufwand - vor allem auch für Tierschützer, die jetzt akribisch die Lebensläufe ihrer Tiere dokumentieren müssen. Allerdings löst sich das Problem auf diese Weise keinesfalls.

Zuviele Hunde, zuwenig...

Sicherlich sind diese Maßnahmen ein Schritt in die richtige Richtung, aber viele Tierärzte sind fachlich gar nicht in der Lage, eine ordentliche Kastration durchzuführen - beispielsweise, weil ihr Arbeitsschwerpunkt in der Großtiermedizin liegt. Viele Menschen können sich die Kastration schlichtweg nicht leisten - hierfür existieren derzeit keine Ausnahmen.

Unsere Arbeit

Von Beginn an arbeiten wir meist mit lokalen Tierschutzvereinen und somit Tierheimen zusammen. Dort besteht unsere Aufgabe, neben der Kastration der Tierheimtiere, in der Schulung von Tierheimmitarbeitern, der Untersuchung des Tierheimbestandes und der Lösung diverser tiermedizinischer Probleme. Die Kastration von Straßentieren macht seit der neuen Gesetzeslage und den gezielten groß angelegten Einfang- und Tötungsaktionen kaum noch Sinn. Die Dringlichkeit der Kastration von Privattieren liegt auf der Hand, doch leider ist die Umsetzung auf Grund der rechtlichen Lage nicht einfach. Wo auch immer uns die Wege geebnet werden, sind wir gerne bereit zu helfen.


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Infos

  • Schwerpunkte: regelmässige EInsätze, Kastrationen von Strassen- und Besitzertieren, Fortbildung lokaler Kollegen
  • Projektzeitraum: seit 2009

Bild des Tages für den 27.04.2018

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27.04.2018 Rumänien

Sie ist die einzige Überlebende ihres Wurfes. Ihre acht Geschwister sind an Parvovirose verstorben. Doch damit nicht genug, denn das Leben auf einem Fabrikgelände ist nicht einfach. So erlitt sie wenig später einen Unfall, wobei sie sich den Unterkiefer brach. Wenige Tage darauf geriet sie schließlich noch in Teer, der ihre Pfoten völlig verklebte. Die Kleine hielt uns lange auf Trab um ihr mit ihren Problemen zu helfen. Wir hoffen, dass ihr weiteres Leben nun möglichst ohne weitere Katastrophen verläuft.

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